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Kunst oder Werbung?

21. Mai 2013 / Kategorie: Inspiration

Ob Bahnhöfe, Einkaufszentren oder Fußgängerzonen – öffentliche Räume sind voll mit Werbung. Doch die meiste bleibt unbeachtet, wird übersehen oder sofort wieder vergessen. Trotzdem gibt es sie: Werbeformate, die faszinieren und hängen bleiben. Oft sind es gerade solche Ansätze, die nicht aussehen wie Werbung, sondern den Anschein erwecken, sie wären Kunst.

Als Inspirationsquellen dienen nicht selten Kunstformen wie Objektkunst, Streetart oder Installationskunst. Vor allem große Marken wie Coke, Nike, Adidas oder BMW nutzen bereits seit Jahren künstlerische Ansätze für ihr Produktmarketing. Sie kopieren künstlerische Ausdrucksformen oder beauftragen Künstler damit, gebrandete Kunst zu produzieren. Man könnte es auch künstlerisches Branding bezeichnen. Eine Kunstform, auf die dabei immer wieder gerne zurückgegriffen wird, ist die Objektkunst. Objektkunst ist eine moderne Kunstrichtung, bei der gewöhnliche Gegenstände zweckentfremdet und zu neuen Objekten zusammengesetzt werden. Alltagsgegenstände werden neu arrangiert und zu Kunstwerken umgeformt. So können gewöhnliche Produkte eine völlig neue Ästhetik entfalten. Diesen Effekt machen sich auch Markenstrategen zunutze und lassen ihre Produkten in Skulpturen verwandeln. So verschmelzen Kunst und Branding. Wie solche Verschmelzungen aussehen können, zeigen diese Beispiele.

Das erste Beispiel stammt von Nike und beeindruckt schon alleine durch die stattliche Größe von 21 Metern. 5500 an Stahlbändern aufgehängte Fußbälle ergeben zusammen das Bild eines Fußballspielers in Aktion. Modell der 4,75 Tonnen schwere Skulptur ist übrigens der argentinische Fußballspieler Carlos Tévez. Insgesamt 10 km Stahlseile wurden für die Aufhängung benötigt. Zu bewundern gab es diese Arbeit der Designagentur Ratcliff Flower Design im Atrium des Carlton Centre Einkaufszentrums. Die Skulptur war Hauptexponat einer Markenerlebnis-Welt des Sportartikelherstellers und wurde im Rahmen des FIFA Word Cup 2010 in Johannesburg ausgestellt. Nach der Weltmeisterschaft wurden die Fußbälle wieder recycelt und afrikanischen Fußballprojekten gespendet.

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Ähnliches Prinzip nutze auch Coke. Um ebenfalls während des FIFA Word Cups 2010 von sich reden zu machen, ließ der Getränkehersteller den Installationskünstler und Designer Pory Hefer von Animal Farm zwei Statuen aus Coke Getränkekisten bauen. Insgesamt 6700 Getränkekisten wurden zu 16,5 Meter hohen Skulpturen aufgetürmt, die jubelnde Fußballfans darstellten. Diese wurden an hochfrequentierten Orten im Johannisburger Stadtzentrum und am Hafen in Kappstadt platziert, an denen die Fußballspiele ausgestrahlt wurden. Ziel war es, damit auch auf Cokes Recycling-Initiative aufmerksam zu machen. Auch hier wurden alle verbauten Kisten anschließend wiederverwendet.

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Objektkunst eignet sich natürlich besonders, um auf ökologische Themen aufmerksam zu machen. Das nutzen die Macher dieses eindrucksvollen Gebildes. Sie bauten am Strand von Rio de Janeiro riesige Fischskulpturen aus recycelten Plastikflaschen. Die drei Riesenfische sollten im Rahmen der Rio+20, einer Konferenz der Vereinten Nationen zur nachhaltigen Entwicklung, zu einer Verhaltensänderung aufzufordern. Die Botschaft: Recycelt eure Einstellung.

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Die folgende Arbeit könnte eine Werbung für Chiquita Bananen sein. Man könnte sie auch für eine ungewöhnliche Anzeige gegen die Konsumgewohnheiten der Wegwerfgesellschaft halten. Interessanterweise handelt es sich dabei jedoch tatsächlich um ein Kunstobjekt, welches in der New Yorker Deitch Galerie für zeitgenössische Kunst ausgestellt wurde. Das essbare Bild stammt von den Typografen und multidisziplinären Designern Sagmeister und Walsh. Es bestand aus 1000 teils reifen, teils unreifen Bananen, die zusammen einen Schriftzug bildeten, der nur für wenige Tage lesbar war: Self-confidence produces fine results. In diesem Fall war ein Recycling der Bananen wohl kaum möglich. Nach der Verwesung war diese essbare Collage bedauerlicherweise nur noch ein Fall für die Tonne – nicht sehr ökologisch also.

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Ob Kunst oder Werbung – die Zweckentfremdung alltäglicher Gegenstände kann wunderschön sein. Umso bedauernswerter ist es, dass alle vier Arbeiten nur temporär zu bestaunen waren. Doch vielleicht macht ja auch gerade diese Exklusivität ihren Reiz aus. Glücklicherweise schafften es diese vergänglichen Kunstwerke dank Fotografie, Film und Internet aus der analogen in die digitale Welt. Hier können sie auch noch lange nach Abbau der Installationen ihrer Wirkung entfalten.

 

 




Mathilde Cabenda

Mathilde Cabendas Interesse gilt vor allem der Kombination von Kunst und Marketing und der strategischen Markenkommunikation. Als Beraterin, Projektmanagerin und Moodscout unterstütze sie neben NPIRE verschiedene Kreativ-Agenturen, wie LIGALUX und das ARTS&CREATIVE DEPARTMENT von Markenfilm. Zudem machte sie Öffentlichkeitsarbeit für diverse Kulturprojekte, wie Live für die Insel und das lunatic Festival.

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